FMF
- LV Saar
Fachverband
moderne Fremdsprachen
Positionspapier
des FMF LV-Saar zur
Mehrsprachigkeit im Saarland
Gustav Dettmer, Gymnasium am Schloss Saarbrücken
Französisch hat im
Saarland aus historischen und geographischen Gründen eine besondere Stellung:
es ist eine für dieses Land und diese Region wichtige Nachbarsprache.
Daraus ergibt sich für
die Schullaufbahn von Schülerinnen und Schülern aller
Schulformen ein besonderes Verhältnis zu Französisch.
Dieses muss sich nach
den Vorstellungen des FMF in einem transparenten Konzept der Mehrsprachigkeit,
in dem Französisch und Englisch, aber auch weitere (moderne) Fremdsprachen
ihren Platz haben, ausdrücken. Es muss den Kriterien eines systematischen,
kindgerechten, zielgerichteten Aufbaus von unten nach oben, eines nach Lerner-
und Schulformen differenzierenden Lehrplannetzes entsprechen und sich inhaltlich
an dem europäischen Referenzrahmen orientieren.
Es muss erreicht werden,
dass die Stellung des Französischen gestärkt wird
-
durch die Vermittlung eines aktuellen, differenzierten Frankreichbildes
(Frankreich als Hochtechnologieland),
-
durch das Werben für die regionale Bedeutung des Französischen auf
Grund der o.g. regionalen Besonderheiten, d.h. durch die Klarstellung, dass es
sich beim Französischen nicht um eine zweite Muttersprache für Saarländer,
sondern eine früheinsetzende Nachbarsprache handelt, deren Beherrschung für
die wirtschaftliche Verflechtung der Grenzregionen vor allem im Hinblick auf das
politische und wirtschaftliche Euroland im Wettbewerb mit den Anrainerstaaten für
die Jugendlichen von großer Bedeutung ist,
-
durch das Verständnis in der Öffentlichkeit, dass Toleranz gegenüber
Anderen nur durch die gegenseitige Kenntnis von Sprache im kulturellen Kontext
und in kommunikativen Begegnungssituationen erworben werden kann,
-
durch die Einsicht, dass Französisch und
Englisch in allen Schulformen ihren Platz im Lehrplan finden müssen, damit es
nicht zu einer (auf Dauer nicht zu haltenden) Verteidigungsposition des Französischen
gegenüber dem Englischen kommt,
-
durch eine Qualifikationsoffensive, bei der in allen Schulformen, und
dazu gehören auch die Hauptschulzweige der ERS, der Erwerb von internationalen
Zertifizierungen, die sich am europäischen Referenzrahmen ausrichten, in beiden
Sprachen, d.h. in Französisch und Englisch, als Ziel in den Lehrplänen
verankert wird,
-
durch verstärkte Information und Beratung von Eltern- und Schülerschaft
darüber, welche Vorteile der Erwerb (mindestens) zweier Fremdsprachen für die
Zukunft darstellt,
-
durch eine so motivierende Sprachvermittlung in der Phase der
Erstbegegnung, dass ein lebenslanger Zugang zu weiteren Fremdsprachen eröffnet
wird,
-
durch eine verbesserte Aus- und Weiterbildung der jetzigen und zukünftigen
LehrerInnen in den verschiedenen Ausbildungsabschnitten, damit sie über alle
notwendigen Informationen, fachliche (Mehr-) Sprachenkompetenz und alters- und
schulformübergreifendes methodisch- didaktisches Fachwissen verfügen, um so im
internationalen Vergleich einen angemessenen Unterricht zu gestalten.
Somit
ist für den FMF LV - Saar essenziell, dass aus dem Beginn mit Französisch an
wenigen Kindergärten, aus der begrenzten Fortführung der Nachbarsprache in den
Klassen 1 und 2 im Rahmen eines Schulversuches eine landesweite Einrichtung
wird, sofern die Erfahrungen positiv sind. Französisch muss dann als
Nachbarsprache für alle Kinder der (Kindergärten und) Grundschulen Pflicht
sein und fachkompetent vermittelt werden.
Daraus
ergibt sich allerdings nach den 4 Jahren eine Veränderung in der
Sprachenlandschaft ab Klassenstufe 5:
- An den Gymnasien muss
die 2. Fremdsprache in der Klassenstufe 5 einsetzen (Mobilität innerhalb
Deutschlands), die 3. wie bisher im Bereich der Mittelstufe; Französisch wird
aber weitergeführt, wobei die Optionen geschaffen werden müssen, nach
Erreichen eines bestimmten Niveaus (z. B. DELF 3/4 am Ende der Mittelstufe)
entweder Französisch abzuschließen oder aber mit inhaltlichen Optionen -
allgemeinsprachlich wie bisher oder auch berufsorientiert wie z.B. mit
Wirtschaftsfranzösisch - weiterzuführen. Diese Optionen sind auch im Hinblick
auf das Englische wünschenswert.
- Die Gesamtschulen und
die ERS sollten Französisch ebenfalls weiterführen (Fortführung z.B: mit
mindestens 2 Wochenstunden bis zum Erreichen eines zertifizierbaren
Abschlusses), auch dort, wo Englisch eine Option ab Klassenstufe 5 ist (sonst
Verlust/Verschwendung bereits erworbenen Wissens bzw. erworbener
Qualifizierung). An den Gesamtschulen sollte darüber hinaus auch die Option zum
(grundlegenden) Erwerb einer 3. Fremdsprache vorhanden sein.
- Wichtig ist, dass auch
an den Hauptschulzweigen Englisch (ab Klassenstufe 7/8) seinen Platz findet, so
dass die Schüler/-innen auch dieses Zweiges über grundlegende Fertigkeiten,
vor allem im Bereich der Kommunikationsfähigkeit verfügen, die durch den
Erwerb eines Zertifikats (z. B. SEFIC [Spoken English for Industry and Commerce]
der LCCI, also mit einer berufsbezogenen Thematik) ebenfalls internationale
Vergleichbarkeit erlangen.
- Auch im
berufsbildenden Bereich in seinen verschiedenartigen Ausprägungen sollten
Englisch und Französisch in der jeweils notwendigen berufsorientierten
Ausrichtung wenigstens elementar - und zertifiziert - ihren Platz in den
Lehrplaninhalten finden.
Problemfelder
in Stichworten:
Kindergarten:
-
Qualifikation der fremdprachlichen
MitarbeiterInnen
- pädagogisches Konzept
Grundschule:
-
Übergangsproblematik: Zusammenarbeit/Informationsaustausch zwischen
Kindergarten und Grundschule
-
Selektion durch Französisch: Schullaufbahnempfehlung auch im Hinblick auf die
Weiterführung von Französisch? (dazu eine Feststellung der erreichten
Leistungen)
- Ausbildungssituation
der (zukünftigen) FranzösischlehrerInnen
weiterführende Schulen:
- Übergangsproblematik
- Zeitpunkt der neu
einsetzenden Fremdsprachen
- Zertifizierungen
- Wechsel ins Saarland
aus anderen Bundesländern
Zertifizierungsmöglichkeiten:
- Prüfungskosten
Lehrerbildung:
-
veränderte (verpflichtende) Inhalte in der 1. und 2 Phase der Lehrerausbildung
sowie aktuelle und übergreifende Angebote in der Lehrerfortbildung
- Personalausstattung
und -kosten